Fragmente der 'Alten Welt'

Komödienfragment

Im Zuge der Neubearbeitung Anfang 2015 versuchte ich, durch einen ganz neuen Ansatz ein wenig Humor in die Geschichte zu bringen. Hier wurde die Geschichte übrigens von 200 Seiten DGS auf 5,5 Seiten Komödie komprimiert. Leider gibt es bisher nicht mehr als einen Anfang.

Die geflügelte Schlange
Komödienversion

von Bettina Lege

Chor, angeführt von einem großen, kahlköpfigen Chorführer, erhebt sich mit scharrenden Füßen, manche schütteln Sand aus den Säumen ihrer langen Gewänder, dann stehen sie endlich alle in Positur:
Zur Nacht da komm' die Räu-äu-ber,
die Räu-äu-ber, die Räu-äu-ber,
zur Nacht da komm' die Räu-äu-ber,
die Räu-ber kom-men zur Nacht.

Erzähler:
Wir schauen auf eine Wüste, darin ein fruchtbarer Flecken, der den schönen Namen 'Schädeloase' trägt. Dort rastet für die Nacht eine Karawane. Und da sind sie schon, die Räuber, vierzig an der Zahl. Ihr Anführer, selbstverliebt, parteiisch gegenüber seinen Lieblingen, versteckt sich feige hinter seinen Leibwachen. Unsere Helden sind in den niederen Rängen der Räuber zu finden, allen voran der Unterführer Nefut mit seiner kleinen Schar, groß, breitschultrig, kurz: ein Bild von einem Mann. Sein getreuer Zweiter, Hamarem, ein kleineres Bild von einem Mann.

Chorführer:
Und warum schweigst du über die anderen siebenunddreißig Räuber?

Erzähler:
Von denen lebt zweiundzwanzig Tage später ohnehin kaum einer mehr.

Chorführer:
Aber das wäre doch Grund, ihrer zu gedenken, oder?

Erzähler:
Laß mich einfach weitererzählen.

Nefut tritt inzwischen nach vorne, schwarzer, schon von einzelnen grauen Strähnen durchzogener Bart, schwarz geschminkte Augen, schwarzes Kopftuch, schwarzer Mantel, darunter in einem Gürtel ein langes Schwert in einer schwarz lackierten Schwertscheide:
Nein, laß MICH erzählen.
Wirft sich in die Brust
Ich war einst ein PRINZ! Schande über mein Haupt, daß ich durch meine Verfehlungen verbannt wurde und nun nurmehr der Handlanger eines Banditenhauptmannes bin. Aber ich diene ihm treu, denn Gehorsam ist die eine der zwei Tugenden, die ich in der Verbannung noch praktizieren kann. Und Fürsorge für meine Untergebenen, allen voran meinem treuen Zweiten gegenüber, ist die zweite dieser Tugenden. Nach meinem Tode werde ich dann dieser Tugenden wegen in die Gärten der Freude einziehen.

Chorführer schüttelt den Kopf:
Du suchst also den Tod. Dann wird die Geschichte ja nicht lang.

Erzähler:
Die zweiundzwanzig Tage überlebt er gerade so, soviel kann ich schon verraten.

Nefut:
Still! Laß MICH erzählen! Und ich überlebe auch vierundvierzig Tage.

Erzähler:
Nicht nach meiner Version der Geschichte.

Nefut:
Was soll das heißen, nach DEINER Version der Geschichte. Es gibt nur eine Version der Geschichte, wie mein Bruder zum Anführer einer Söldnerarmee wurde!

Erzähler:
Den du aber zum Auftakt der Geschichte noch nicht als deinen Bruder erkanntest.

Nefut:
Dann erzähl DU doch.
Dreht sich schmollend weg.

Erzähler lächelt triumphierend. Dann holt er Luft:
Also dann, wenn ich bitten darf?
Gibt dem Chor ein Zeichen, sich aufzustellen.

Chor stellt sich auf, diesmal in zwei Gruppen, der Chorführer steht dazwischen in der Mitte und stülpt eine weiße, schulterlange Perücke über den blanken Schädel.
Chor 1, die Männerstimmen mit Chorführer:
Schön wie Sieb-zehn-jahr,
weißes Haar,
so steh'n sie vor dir.

Chor 2, die Frauenstimmen, gleichzeitig mit Chor 1:
Über den Wolken,
wie der Wind so frei,
gedankenschnell
fliegen sie als Falken herbei.

Erzähler:
Vielleicht solltet ihr euch einigen.

Chorführer rezitiert:
Die Unirdischen kommen
als Männer und als Frauen
zu den Menschen.
Sie betören sie mit ihrem Duft
und zeugen Kinder mit ihnen.

Erzähler hört sich die Worte des Chorführers kopfschüttelnd an.

Nefut nutzt die Gelegenheit, daß der Erzähler abgelenkt ist:
Hamarem und ich nehmen also diesen recht großen, jungen Mann gefangen, der weißes Haar hat. Nur daß es kein junger Mann IST. Und seiner weißen Haare wegen geht schnell das Gerücht, daß er unirdisches Blut hat.
Da unser Anführer nicht auf Lösegeld verzichten will, aber über Tage niemand für diesen Jüngling zahlt, entzündet sich an dem Versuch, ihn als Sklaven zu verkaufen, ein Aufstand, durch den unser Anführer getötet und die Bande in zwei Lager gespalten wird.
Mir fällt die Führung des Bandenteiles zu, die in dem Jüngling einen Schützling der Götter sehen. NATÜRLICH lasse ich ihn frei.

Erzähler nutzt die etwas selbstgefällige Sprechpause Nefuts:
Das ist aber nur ein Teil der Geschichte. Nefut findet schon kurz nach der Gefangennahme heraus, das der Jüngling das Schwert von Nefuts Vater bei sich trägt. Und Hamarem, dem die Aufsicht über den Jüngling anvertraut ist, stellt an ihm einen unwiderstehlichen Duft fest und hat gewisse Träume.

Chor 1 und Chorführer heben die Gewänder und legen erigierte Stoffpenisse frei, mit denen sie hin- und herwedeln:
Ich will mit dir Sex, a-ha, Baby, a-ha!

Chorführer tritt ein paar Schritte vor, so daß er mit Nefut und dem Erzähler auf gleicher Höhe steht:
Das ist wieder nur ein Teil der Geschichte. Nefuts Plan sieht vor, seinen Teil der Banditen durch Teilnahme an einem Kriegszug zu ernähren. Dafür überredet er den Jüngling, der selbst ein Stammesprinz ist, Nefuts Teil der Banditen als Anführer zu befehligen, denn Banditen sind im Heer des Königs nicht willkommen. Und dabei erfährt Nefut, daß sein eigener, leiblicher Vater diesen Jüngling an Sohnesstatt angenommen hatte. Sie sind also wirklich Brüder, und das Schwert des Alten trägt der Jüngling zurecht.

Erzähler:
Und Hamarem hat weiterhin Träume.

Chorführer:
Und der junge Mann wird der Geliebte Nefuts.

Chor 2 und Chorführer stemmen die Arme in die Taille und drücken die Brüste heraus, die offenbar unter dem Gewand noch ausgestopft sind:
Ist das nicht romantisch?

Nefut:
Und der junge Mann IST gar kein Mann.

Erzähler:
Und vier Tage später leben noch vier Mann von den Banditen.

Nefut, etwas erschrocken:
Aber was ist mit dem anderen Teil der Bande, den ich nicht ins Heerlager geführt habe?
Betrachtet dann die junge Frau, die nun nach vorne tritt, mit gierigen Blicken, als wolle er durch ihre Kleidung hindurchschauen.

Sira steht nun vorne, in ein seidenes, aufwendig besticktes Wickelkleid gehüllt, mit einem silberdurchwirkten Schleier auf den schwarzen Haaren:
Mein Retter und meine Wachen haben den Banditen den Garaus gemacht, als sie mich während einer Rast in der Schädeloase entführen wollten. Doch nun ist mein Retter im Gefängnis, da mein Vater, der König, die Stammesnomaden allenfalls in seinem Heer duldet, jedoch nicht an seiner Tafel. Und mein Retter wollte um meine Hand anhalten, das war völlig inakzeptabel.

Nefut:
SIE ist die Prinzessin von Hannai? Wieso habt ihr uns einander nicht vorgestellt?

Erzähler:
Ich darf dich daran erinnern, daß du einen Geliebten hast. Und sie gehört zu einer Geschichte, die du nicht mehr miterlebst, denn vom Beginn deiner Geschichte bleiben dir nur dreißig Tage, und die sind fast um.

Nefut:
Amemna ist kein Mann, sie ist eine FRAU!

Chorführer hebt den Saum seines langen Gewandes und zeigt den Stoffphallos:
Wen nennst du hier Frau?

Nefut schaut weg:
Das WILL ich nicht sehen, also sehe ich es nicht.

Sira:
Mein Vater will die fremde Stadt erobern, aber es gelingt nicht sofort, der Krieg droht teuer zu werden, also ruft er seine Offiziere zurück, nur die Söldner erfahren nichts davon und bleiben vor der fremden Stadt zurück, ohne Geld. Sie werden verhungern, sogar verdursten, denn der Sommer trocknet die Brunnen in der Ebene vor der fremden Stadt aus. Wer soll diese 500 Männer retten?

Nefut:
Amemna rettet sie, sie folgen ihm, weil er unirdischen Blutes ist, ein Halbgott der Wunder wirkt, der Tote zum Leben zurückbringt. Und die Regentin der fremden Stadt bezahlt die Söldner unter Amemna, damit sie nun ihr dienen.

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© Bettina Lege 2008 / 2017, zuletzt bearbeitet am 24.05.2015,
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